© D. Schug

Impuls

Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben!

Ostern 2026

Unsere aktuelle Zeitsituation ist von Krieg, Leid und Konflikten geprägt. Das Kreuz, vor allem ein Kreuz mit der Gestalt des Gekreuzigten, ist ein Zeichen, das Scheitern und Tod ausdrückt. Doch für uns Christinnen und Christen ist es ein Zeichen des Heils und der Rettung, ein österliches Zeichen, das für das neue Leben steht, das uns mit der Auferstehung Jesu eröffnet ist. Für uns Christinnen und Christen ist das Kreuz angestrahlt vom Licht der aufgehenden Sonne am Ostermorgen.

Bei der Taufe, am Beginn des Gottesdienstes, beim Segen bezeichnen wir uns und andere, ja die Welt mit einem Kreuzzeichen.

Pater Anselm Grün, der Benediktinermönch aus Münsterschwarzach, erschließt in seinem Büchlein „Das Kreuz – Bild des erlösten Menschen“ (Vier-Türme-Verlag Münsterschwarzach 52008.) das Kreuz in seiner Bedeutung für unser christliches Leben.

In unserem Impuls machen wir Ihnen seine Gedanken und Erkenntnisse in Auszügen zugänglich und empfehlen sie Ihnen zur weiteren Betrachtung und Vertiefung:

„Wenn die Christen schon im ersten Jahrhundert das Kreuz immer mehr als Kennzeichen für den Glauben an Jesus Christus verstanden, dann verbanden sie mit dem Kreuz vor allem zwei Ideen. Die eine war die Umwertung aller Werte durch Jesus Christus. Wenn Gottes Sohn am Kreuz starb, dann hat er alle menschlichen Werte über den Haufen geworfen. Dann hat er das Symbol tiefster Schmach zum Siegeszeichen gemacht. Es war für die Christen ein Hoffnungszeichen: Es gibt kein Leid, das nicht überwunden, keine Aussichtlosigkeit, die nicht verwandelt, keine Dunkelheit, die nicht zu Licht, kein Leid, das nicht zu neuem Leben umgeformt werden kann. Es war also ein Hoffnungszeichen gerade in einer Welt, die von Leid und Not bedroht war. Zum anderen verbanden die Christen die Ideen anderer Religionen, die im Kreuz ein Heilssymbol sahen: Himmel und Erde, Licht und Dunkel, Gott und Mensch werden miteinander verbunden. Was andere Religionen im Kreuz sahen, das – so meinten die Christen damals – sei in Jesu Tod am Kreuz und in seiner Auferstehung erfüllt worden. Da ist Gott in die tiefste Dunkelheit hinabgestiegen, da ist alles Leid verwandelt und alle Schwachheit in eine unüberwindliche Stärke umgeformt worden.“ (S. 8f)

„Das Kreuz zeigt uns den Weg wahrer Menschwerdung. Zur Menschwerdung gehört, dass wir ja sagen zu den Gegensätzen, die in uns stecken. Als Mensch gehören wir zugleich der Erde und dem Himmel an. Wir sind ausgespannt zwischen Licht und Dunkel, zwischen Gott und Mensch, zwischen Mann und Frau, zwischen Höhen und Tiefen, zwischen gut und böse. …

Die Vertikale des Kreuzes strebt in die Höhe, sie ragt in den Himmel. Durch den Geist sind wir nach oben ausgerichtet. Wir ruhen nicht in uns selbst, sondern müssen aus uns herausgehen, uns ausstrecken über uns selbst hinaus.“ (107f)

„Die Horizontale stellt uns in die Gemeinschaft der Menschen. Wir sind nie für uns allein, in allem sind wir von anderen Menschen beeinflußt, und mit unserem Sein prägen wir auch die Menschen um uns herum. Das Kreuz fordert uns heraus, uns aus unserer Ich-Befangenheit zu lösen und uns von dem ständigen Kreisen um uns selbst loszureißen, um solidarisch zu sein mit allen Menschen. Wenn wir unsere Arme zur Kreuzgebärde ausstrecken, spüren wir diese Offenheit und Solidarität. …

Vertikale und Horizontale treffen sich im Kreuzungspunkt, der die Mitte des Menschen symbolisiert. Das Ausgespanntsein zwischen Himmel und Erde und zwischen den Menschen reißt uns nur dann nicht auseinander, wenn wir in diesem Mittelpunkt ruhen.“ (108f)

„Der wahre Mensch ist der verwundbare Mensch. Heute ist es modern, sich cool zu geben, unverwundbar zu sein, nichts an sich herankommen zu lassen. Aber wer sich nicht verwunden läßt, der kann auch nicht lieben. Wahre Liebe schließt die Bereitschaft ein, sich verwunden zu lassen. Das Bild des Kreuzes zeigt uns mitten in der Brutalisierung unserer Gesellschaft ein anderes Menschenbild, einen, der noch mitleiden kann, einen der selbst Gewalt erleidet, weil er für die Menschen eintritt. … Kreuzesnachfolge heißt, … daß wir aus einer anderen Wirklichkeit heraus leben, aus der Wirklichkeit der Liebe, die uns im gekreuzigten Christus am deutlichsten vor Augen geführt wird.“ (112f)

Ihnen allen wünschen wir ein frohes und gesegnetes Osterfest erfüllt von Hoffnung und Zuversicht in turbulenten Zeiten!

Das Kreuz als Zeichen unseres Glaubens an Jesus Christus und an den dreieinen Gott möge für Sie im Licht der aufgehenden Ostersonne erstrahlen.

Ihr Pastoralteam

Mechthild Carlé, Mareike Gall, Angelika Gutmann,

Dorothea Wiatr, Walter Humm und Josef Laupheimer

Mehr als nur Beton – Das Gemeindezentrum Heilig Geist wird 50!

EIN HAUS MIT CHARAKTER

Wenn eine Kirche heute 50 Jahre alt wird, sieht man ihr das oft an. Der Baustil unserer Heilig-Geist-Kirche nennt sich Brutalismus – das klingt hart, fast abweisend. Und tatsächlich: 50 Jahre im Wind und Wetter haben Spuren hinterlassen. Der Sichtbeton bröckelt an manchen Stellen, Wasser sucht sich seine Wege, und die Instandhaltung ist teuer. In Zeiten, in denen die Kirche sparen muss und sich die Gesellschaft wandelt, stellt sich die berechtigte Frage: Lohnt sich der Erhalt eines solchen massiven Gebäudes überhaupt noch? Brauchen wir diesen Raum in Zukunft noch?

DIE ANTWORT GEBEN DIE MENSCHEN

Fragt man die Menschen, die dieses Gebäude mit Leben füllen, ist die Antwort ein klares und begeistertes: Ja! Für unsere rund 150 aktiven Mitglieder – darunter viele engagierte junge Menschen – ist Heilig Geist weit mehr als eine Adresse. Es ist Heimat, ein Ort der Freude und für viele sogar ein Stück Familie. Die bunten Zettel an unseren Foyerfenstern sind das sichtbare Zeugnis dieses Glücks.

EIN „WOHNZIMMER“ FÜR ALLE

Doch Heilig Geist ist nicht nur für die „Insider“ da. Unser Haus ist ein offener Begegnungsort für das gesamte Quartier. Die ideale Raumstruktur ermöglicht das.

HIER PASSIERT DAS ECHTE LEBEN:

• Es ist die Kegelbahn, auf der seit 50 Jahren Traditionen gepflegt werden und die heute wieder zum hippen Treffpunkt für Jugendliche wird.

• Es ist der Stammtisch, der Vätern (manche aus Fellbach oder Degerloch) einen Ort zum Austausch bietet.

• Es ist das erweiterte Wohnzimmer der Nachbarschaft, in dem Hennafeste, Hochzeiten und Geburtstage aller Kulturen gefeiert werden.

• Es ist der Ort der Solidarität, wo spontan Kuchen für Erdbebenopfer verkauft wird oder sich Menschen beim Fastenbrechen im Ramadan begegnen, die sonst nie ein Wort gewechselt hätten.

• Es ist ein Ort der Ökumene. Regelmäßig treffen sich hier Gläubige aller Konfessionen zum Gottesdienst und Gespräch, zu Theateraufführungen oder beim Fasching.

• Zweimal beherbergten wir Interim-Kitas.

• Und das sind nur Momentaufnahmen.

EIN ORT DES HEILIGEN GEISTES

Unser Heilig Geist Gemeindezentrum wurde nach dem Konzil erbaut. Es erzählt von einer Zeit des Aufbruchs, in der die Kirche den Menschen näherkommen wollte – einladend, offen und gemeinschaftlich. Es ist Zeugnis einer spirituellen Erneuerung, die das Miteinander und die Teilhabe in den Mittelpunkt stellte. In seinen ungewohnten Formen steckt der Mut, Glauben neu zu denken und sichtbar zu machen. Ihr überschaubarer, klarer Kirchenraum lädt zur inneren Sammlung ein und öffnet Herz und Geist. Gläubige erleben dort eine besondere Nähe zu Gott und den Menschen, weil die Architektur die Liturgie mitträgt. Alt und Jung fühlten sich hier aufgehoben. Unsere Kirche hat Generationen geprägt. Hier wurde getröstet, getraut, getauft – ein Erinnerungsort voller Leben. Wenn wir ihn verlieren, verlieren wir ein Stück unserer Geschichte, unserer Identität und unserer Hoffnung.

UNSERE GESAMTKIRCHENGEMEINDE-OST - EIN ENSEMBLE

Seit einem Jahr gehört die muttersprachliche Gemeinde St. Justin de Jacobis mit zum Standort Heilig Geist. Ohne die größere Ausweichmöglichkeit nach Herz Jesu zu deren großen Festen würde das nicht klappen. Überhaupt sind die Gemeinden in Stuttgart-Ost bereits zusammengewachsen, keine kann und will mehr ihr eigenes Süppchen kochen. Die ursprünglichen und auch strukturell noch so verankerten Gemeindegrenzen zählen für die Menschen nicht mehr… auch über den Osten hinaus. Da jeder der vier Standorte andere Vor- und Nachteile hat, versuchen die verantwortlichen Haupt- und Ehrenamtlichen die Standortvorteile für die jeweiligen Themen zu nutzen. Manchmal ist es die Architektur, manchmal die vielen Helferinnen und Helfer vor Ort, manchmal der große Saal, die Innenstadtnähe, die vielen kleinen Räume, die Verkehrsanbindung, oder die Küche, die ausschlaggebend für die Standortwahl sind.

INVESTITION IN DIE ZUKUNFT

Heilig Geist bietet Raum – bezahlbar, offen und unkompliziert. Wenn wir in den Beton investieren, investieren wir nicht in tote Materie, sondern in das soziale Fundament unseres Stadtteils. Wir bewahren einen Ort, an dem Gemeinschaft möglich ist, wo man sich kennt und wo niemand allein bleiben muss. Ja, der Erhalt kostet Geld. Aber der Wert dessen, was darin entsteht, ist unbezahlbar.

Beim Programm für das Jubiläumsjahr, das nicht eine große Veranstaltung vorsieht, sondern viele Begegnungsmöglichkeiten bei Gottesdiensten, Festen und Kultur, ist bewusst noch Raum und Zeit für das Wirken des Heiligen Geistes.

Bernhard Derek, Schriftführer im Kirchengemeinderat Heilig Geist

Mechthild Carlé, Pastorale Ansprechperson in Heilig Geist

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