Sonntag, 18. Januar, um 9.30 Uhr
Heilig Geist
Die Gemeinde Heilig Geist feiert im Jahr 2026 das 50jährige Bestehen ihres Gemeindezentrums. Der brutalistische Bau aus den 70er Jahren erinnert von außen nicht auf den ersten Blick an eine Kirche. Doch innen finden sich eine Vielzahl von Räumen auf mehreren Ebenen, die seither Raum für Begegnung zwischen den Menschen des Stadtteils schaffen.
Der Neujahrsempfang wird eine von vielen Begegnungsmöglichkeiten im Lauf des Jahres 2026 sein, in denen das Haus all seine Räume zur Verfügung stellt. Diesmal steht sicherlich der Ausblick auf das Jubiläumsjahr im Vordergrund. Der Chor St. Nikolaus gestaltet den Gottesdienst musikalisch, anschließend sind in alter Tradition alle zu einem Glas Sekt oder Saft eingeladen. Alle, die in irgendeiner Form im vergangenen Jahr geholfen haben, sind zum Mittagessen eingeladen.
Wer auf dem Weg zur Heilig-Geist-Kirche im Stuttgarter Osten sich an einem Kirchturm orientieren möchte, wird sich schwertun. Es gibt keine herausragende Turmspitze. Unvermittelt steht man in der Boslerstraße vor dem Gebäude. Erst auf den zweiten Blick entpuppt sich das etwas bunkerartig anmutende Gebäude als Heilig-Geist-Gemeindezentrum. Es handelt sich um brutalistische Architektur, ein Stil, der in den 1950er bis 1970er Jahren weltweit verwendet wurde. Der Begriff Brutalismus bezieht sich auf »béton brut«, den französischen Ausdruck für Sichtbeton. Brutalistische Architektur zeigt das Rohe, die nackte Konstruktion.
Die oft spektakulären Bauten entstanden in einer Zeit der Experimente und des gesellschaftlichen Aufbruchs. Die Hl-Geist-Gemeinde zeigte nachkonziliaren Mut und Experimentierfreude und beauftragte den Dipl.-Ing. Rainer L. Neusch mit der Planung des Zentrums. Der Sichtbetonbau wurde 1974–1976 als Gemeindezentrum mit integrierter Kirche gebaut. Lassen Sie sich durch das expressionistische Äußere nicht erschrecken. Treten Sie ein. Der Schriftzug auf der Eingangstür „Sende aus deinen Geist und das Antlitz der Erde wird neu“ zeigt den Weg.
Kirche ereignet sich dort, „wo sich eine Gemeinde versammelt, um auf das Wort Gottes zu hören, das Herrenmahl zu feiern und sich im verantwortungsvollen Dienst— als Gemeinde des Herrn — an den Menschen engagiert." Im Gemeindezentrum Heilig Geist wurden diese Gedanken des Tübinger Theologen Greinacher konsequent verwirklicht. Es entstanden: Räume für die Feier der Liturgie; Räume, die sowohl auf die Feier der Liturgie, als auch auf die Verwirklichung der Diakonie hingeordnet sind. Räume für den diakonischen Dienst der Gemeinde, Wohnungen und Pfarrbüro.
Vor allem mit der variablen Nutzung, die bei den Räumen im Gemeindebereich möglich geworden ist, dürfte ein Optimum an Raumausnützung erreicht worden sein und das, ohne dass der Ablauf der gottesdienstlichen Feier gestört wird. Bekanntlich sind große Gemeindesäle für den Träger eine große Last. Da zumindest immer der Großteil eines Saales für Veranstaltungen zur Verfügung steht, ist die Nutzung intensiver, als wenn eine Kirche gebaut würde, die allen Anforderungen entspricht.
Festschrift: Einweihung des Gemeindezentrums Heilig Geist Stuttgart Ost, 28. März 1976
Zitat: (N. Greinacher: „Strukturwandel der Kirche heute und morgen", in „Kirchen für die Zukunft bauen").
Der
„Nicht alle Jugend betet, welche zur Kirche geht, das hat uns an einem der Sonntage die HJ (Hitlerjugend) gezeigt. Sie zog etwa 100 Mann stark vor unsere Heilig-Geist-Kirche. Die Kirchenbesucher, die zum Hochamt kamen, wurden dadurch belästigt, daß ihnen die „Reichssturmfahne", das Organ der HJ in aufdringlicher Weise feilgeboten wurde. … Auch den Aushängekasten vor der Kirche beanstandeten sie. Eines der Pfarrkinder verständigte die Polizei, die dafür sorgte, daß der Kirchplatz frei wurde. Nachdem die HJ noch eine Zeit lang um den Kirchplatz Aufstellung genommen hatte, zog sie wieder ab, so daß das Hochamt ohne jede Störung gehalten werden konnte". So ist in der Chronik von Hl. Geist 1935 zu lesen.
Zu diesem Zeitpunkt stand die Heilig-Geist-Kirche, im September 1930 benediziert, bereits fünf Jahre.
Anfang der 20er-Jahre hatte sich im Norden der Herz Jesu-Pfarrei Stuttgart, im sogenannten Raitelsberg, ein neues Stadtviertel gebildet, mit etwa 1 500 Katholiken. Der größere Teil der Einwohner bestand aus Arbeitern, Straßenbahnern, Handwerkern und einem kleinen Prozentsatz städtischer Angestellter und einiger Bankbeamter. In einer Folge von Jahren war die Zahl der Kirchenaustritte in diesem Teil, von der Herz-Jesu-Pfarrei aus schwierig zu betreuen, angestiegen. So bemühte sich Stadtpfarrer Ströbele, eine neue Pfarrei zu gründen. Erster Pfarrer wurde Josef Sprenger. Im Lauf der Jahre entstand eine lebendige und engagierte Gemeinde. Auch in der Zeit von 1933 bis 1945 konnten die nationalsozialistischen Machthaber das Gemeindeleben nicht ersticken. Im Oktober 1944 vernichtete ein Fliegerangriff die Heilig-Geist-Kirche bis auf die Grundmauern, „was zuvor unter großen finanziellen Opfern aufgebaut wurde war nun ein Trümmerhaufen“ (Chronik).
Erneut beginnt Stadtpfarrer Sprenger einen Kirchenbau. Für die Sonntagsgottesdienste stellt die evangelische Lutherhausgemeinde bis zur Fertigstellung einen Kirchensaal zur Verfügung. Schon früh kommt es so zwischen beiden Gemeinden zu einem geschwisterlichen Austausch, der bis heute anhält. Im Oktober 1947 wird die Kirche konsekriert, gefolgt vom Einbau eines Kindergartens. Die schweren Jahre der Gründung, des Krieges und des Wiederaufbaus sind jetzt vorbei. Es entwickelt sich ein reges Gemeindeleben. Eine Primiz ist keine Seltenheit.
Ende der 60erJahre ist die Pfarrei um einige Straßenzüge, die zur Gemeinde Herz-Jesu gehörten, größer geworden. Es sind jetzt etwa 3 600 Katholiken. Bald setzt eine Abwanderungsbewegung von Teilen der Stadtbevölkerung aus Stuttgart ein. Sie macht sich auch in Heilig-Geist bemerkbar. Anfang 1976 zählte die Pfarrei ca. 2 900 Katholiken, darunter 22 % Mitbürger mit Migrationshintergrund. Die Gemeinde stellt sich mutig der neuen Situation und folgt dem Auftrag des 2. Vatikanischen Konzils. 45 Jahre nach dem ersten Kirchenbau, nimmt eine der kleinsten Kirchengemeinden in Stuttgart zum 3. Mal die Last des Kirchenbaus erneut auf sich. „Zwei Brennpunkte mußten beim neuen Gemeindezentrum klar in Erscheinung kommen: Liturgie (im weitesten Sinne des Wortes) und Diakonie verstanden im Sinn der Pastoralkonstitution, ´Die Kirche in der Welt von heute´. Dabei war zu beachten, daß die beiden Brennpunkte nicht als voneinander getrennte Größen auftraten“, so die Festschrift 1976. Im März 1976 weiht Bischof Moser die neue Kirche, eingebettet in ein Gemeindezentrum, ein. Es bewährt sich in den Folgejahren das angestrebte Konzept Pastoral und Liturgie unter einem Dach zu vereinigen. Viele Jahre betreuen Pfr. Wolfgang Schmitt und die Familie Walter engagiert die Gemeinde, unterstützt von rührigen Kirchengemeinderäten und Sachausschüssen. Sie wurden abgelöst von Pfr. Hans-Georg Schmolke, heute Pfr. Josef Laupheimer und Pastoralreferentin Mechtild Carlé.
nach: Alfons Thanner, Einweihung des Gemeindezentrums Heilig Geist Stuttgart Ost, 28. März 1976
Der
Mein Lebenslauf als Missionsdominikanerin der „Kongregation der Heiligen Katharina von Siena von King William’s Town“
Sr. M. Pia (Hedwig Imelda) Brauchle, geb. 02.03.1936, gestorben 22.09.2025
Als Jüngstes von drei Kindern wurde ich am 2. März 1936 in Stuttgart geboren. Meine Eltern waren gut katholisch und meine Mutter und auch ich engagierten uns ehrenamtlich in der Kirche. Nach dem 2. Weltkrieg, der schulischen Ausbildung und Weiterbildung zur Sekretärin, arbeitete ich im Büro. Der Wunsch, mein Leben Gott in der Mission hinzugeben, reifte in diesen Jahren zur Gewissheit, möglicherweise unbewusst gefördert von meiner Mutter, deren Schwester in Schlehdorf eingetreten war und dort den Namen Sr. Imelda bekam und später als Krankenschwester in Südafrika tätig war.
1957 trat ich im Kloster Schlehdorf ein und feierte meine Einkleidung am 4. Januar 1958 und meine Erste Profess am 5. Januar 1959. Ab Mitte 1960 bis Ende 1961 sandte man mich nach Stoke Golding, England, da zu dieser Zeit keine Einreise nach Südafrika möglich war. Das gab mir die Chance, die englische Sprache zu lernen. Die Bewilligung einer Einreise nach Südafrika erhielt ich in England und kam somit Ende 1961 wieder zurück nach Schlehdorf für meine Ewige Profess am 05.01.1962 und reiste im Februar 1962 nach Südafrika aus. Jetzt wurde ich wieder Schülerin, da ich, ehe ich aufs College gehen konnte, meine Englischkenntnisse und verschiedene weitere Fächer vervollkommnen musste.
Während der 23 Jahre in Südafrika wurde ich zur Lehrerin ausgebildet und lehrte an fünf unserer eigenen Schulen und betreute die Schülerinnen im Internat in Cambridge, East London, und King William’s Town. 1977 entschloss sich der Generalrat, die King-William’s-Town-Schule zu schließen. Dies geschah Ende 1978. Das damalige Leitungsteam erlaubte mir eine Sabbatzeit (Erneuerungskurs) von sieben Monaten in Rom, die ich zusammen mit drei Mitschwestern und einer Anzahl von Dominikanerinnen aus aller Welt in der „Casa“ erleben durfte. Es war ein „Highlight“ in meinem religiösen Leben, für das ich bis heute dankbar bin.
Nach meiner Rückkehr von Rom hatte ich eine Versetzung nach Welkom und 2 ½ Jahre später, 1983, wurde ich von der Gemeinschaft in Springs zur Oberin gewählt und 2 ½ Jahre später zur Provinzoberin in Schlehdorf ernannt. 1985 packte ich meine Koffer wieder. In Deutschland und im Kloster hatte sich Vieles verändert, was für mich eine große Umstellung war. Gegen Ende meiner zweiten Amtszeit erlitt ich einen schweren Autounfall in Südafrika nach dem Generalkapitel 1992. Dieser hatte zwei lange Krankenhausaufenthalte in Südafrika zur Folge und danach das Verbleiben in unserem neu erbauten Altenheim „Emmaus“ in Cambridge.
Kloster Schlehdorf schickte mir Sr. Chrysologa, um mich wieder auf die Beine zu bringen und reisefähig zu machen. Sechs Monate später, 1993, konnten wir den Rückflug nach Deutschland antreten. Nun begannen fünf Jahre der Rehabilitation. Während dieser Zeit arbeitete ich mit Sr. Chrysologa an der Klosterpforte und im Laden. Sr. Chrysologa betreute mich aufopferungsvoll 20 Jahre lang, indem sie alles für mich tat, was ich selbst, mit nur einer Hand, nicht mehr tun konnte, bis zu ihrem schweren Schlaganfall im Jahr 2012. Es war für mich ein inneres Bedürfnis und ein unüberhörbarer Anruf Gottes, ihr bis zu ihrem Tode zur Seite zu stehen, da sie sich selbst in keiner Weise mehr helfen konnte. Sie verbrachte die letzten 2 ½ Jahre im Pflegeheim in Kochel.
Im Mai 1993 ging meine Amtszeit in Schlehdorf zu Ende. Von der Krankenkasse aufgefordert, musste ich einen Prozess bei der Unfallversicherung in Südafrika einleiten, um eine Entschädigung für die hohen Kosten, die dieser Unfall uns verursacht hatte, zu bekommen. Es dauerte 10 Jahre, bis die Forderung anerkannt wurde, für mich eine stressige Zeit. Gott sei Dank hatte ich Mitschwestern und meine Familie zur Seite, die mir beistanden in all diesen Jahren. Nachdem ich in der Gemeinschaft keine verantwortliche Aufgabe mehr hatte, außer etwas Mitarbeit an der Pforte, konzentrierte ich mich weiter auf die Spendensammlung für unsere Missionsarbeit und Projekte in Südafrika und die notwendige Korrespondenz dazu. Das war für mich eine wichtige und sinnvolle Aufgabe all die Jahre, zusammen mit Sr. Chrysologa. Ich lebe nun seit 1985 in Schlehdorf und teile mit meinen Mitschwestern Freud und Leid in dieser Zeit; den Wandel von einer großen zu einer kleiner werdenden Gemeinschaft und bin ihr dankbar, dass sie mich mitgetragen hat. Gott segne sie alle!
Soweit die persönlichen Worte von Sr. Pia.
Hinzufügen möchte ich: Sr. Pia ist 2018 mit uns hier ins neue Kloster gezogen. Trotz und mit ihrer Behinderung war es ihr sehr wichtig, am Gemeinschaftsleben, den Gebetszeiten und Essenszeiten teilzunehmen, und möglichst selbständig ihr Leben zu gestalten.
Wie sie schon selbst schrieb, konnte sie sich selbst gut beschäftigen. Es war ihr wichtig, sich für die Missionsspenden auch persönlich zu bedanken. Gefreut hat sie sich immer, wenn Besuch kam, sei es aus der Schweiz oder aus der alten schwäbischen Heimat oder seien es Telefonanrufe von guten Freunden und der Familie. Sr. Pia war ein Mensch, die gern in Gemeinschaft war, die gern gefeiert hat, die Musik über alles liebte, die gern und gut gesungen hat und sie konnte herzlich lachen und sich über schöne Dinge freuen.
Die letzten 5 Monate verbrachte auch sie im Alten- und Pflegeheim in Kochel. Es fiel ihr nicht leicht, dies anzunehmen. Die Gemeinschaft fehlte ihr. Aufgemuntert haben sie die regelmäßigen Besuche von uns und die Besuche von guten alten Freunden, bis kurz vor ihrem Tod. Am Samstag, 20.09.2025 wurde sie schwer krank ins Krankenhaus eingeliefert, wo sie dann am Montag, den 22.09.2025 in Frieden ihr Leben Gott übergeben konnte.
Für Sr. Pia wurde am 27.09.2025 in der Schwesternkapelle Schlehdorf der Auferstehungsgottesdienst gefeiert. Anschließend wurde sie auf dem Friedhof beigesetzt, unter Anteilnahme ihrer Angehörigen, der Schwesterngemeinschaft sowie von Bekannten aus Schlehdorf und der Umgebung.
Sr. Pia, wir danken Dir für Dein langes Leben mit uns in der Gemeinschaft hier in Schlehdorf und in Südafrika, für all Deinen Einsatz für die Menschen in der Mission und für Dein Dasein als Missionsdominikanerin. Ruhe in Frieden.
Schlehdorf, 27.09.2025 Sr. Margit Bauschke OP