Robert Benni Marcose

Meine 2-jährige Erfahrung in der Gesamtkirchengemeinde Stuttgart-Ost

Im Januar 2020 kam ich von Tübingen in die Gesamtkirchengemeinde Stuttgart-Ost. Ich bezog eine kleine Wohnung bei Diakon Lätzel und seiner Frau. Sie haben mich sehr herzlich aufgenommen. Und ich muss sagen: die Wohnung war zwar klein aber ihr Herz war sehr groß.  

Zunächst war ich sehr aufgeregt und auch ein bisschen verwirrt. Alles war neu für mich und ich hatte Sorge, ob ich bei meiner Arbeit als indischer Pfarrer in einer deutschen Gemeinde alles richtig mache. Aller Anfang ist schwer. Das habe auch ich gewusst. 

Anfängliche Missverständnisse konnten schnell aus dem Weg geräumt werden und wir sind alle zu einem guten Team geworden. Auch von der Gemeinde wurde ich liebevoll aufgenommen und akzeptiert.

In meinen ersten Wochen lernte ich neue Aufgaben kennen und besuchte weiterhin die Sprachschule. Im März bezog ich dann eine größere Wohnung in der Albert-Schäffle-Straße. Dann kam Corona und alles wurde plötzlich anders. Die Gottesdienste wurden abgesagt  und viele Aufgaben konnten erstmal nicht mehr stattfinden.

Für meine erste Projektarbeit hatte ich die Idee, Hausgottesdienste in der Zeit der Corona-Pandemie zu organisieren. Wir konnten auch ein paar dieser häuslichen Messen für Menschen zu Hause durchführen. Nach und nach gab es neue Aufgaben und Erfahrungen für mich. Es gab die ersten Taufgespräche und Trauergespräche, bei denen ich dabei sein durfte.

Im ersten Jahr bestand ich auch meine B2 Sprachprüfung. Das war ein wichtiger Schritt für mich, um als indischer Pfarrer weiterhin in Deutschland arbeiten zu können. Im zweiten Jahr wurde ich immer selbstsicherer. Trauergespräche, Beerdigungen und Taufen erledigte ich nun selbstständig. Ich habe die Frauenrunde in Herz Jesu besucht, mit den Frauen Kaffee getrunken und ihren leckeren Kuchen gegessen.

In meinen Gottesdiensten singe ich sehr gerne für die Gemeinde. Im Sommer habe ich zusammen mit Pfarrer Walter Humm und Pfarrer Laupheimer sogar ein interkulturelles Fest organisiert. Es war ein besonderes Erlebnis für mich und sehr schön, in diesem Gottesdienst tamilische, malayalam, englische und deutsche Sprache zu vereinen.

Rückblickend habe ich immer eine große und herzliche Unterstützung von Pfarrer Walter Humm, Pfarrer Josef Laupheimer und dem Pastoralteam erhalten. Mein Prinzipal Pfarrer Walter Humm ist für mich in dieser Zeit zu einem richtigen Freund geworden. Dreimal machten wir zusammen einen kleinen Kurzurlaub und er nahm mich mit in seine Heimat Mietingen. Wir besuchten Rot an der Rot, dort lernte ich die Kolping-Jugendgruppe kennen. Einmal waren wir bei einer Hochzeit in Mietingen.

Wir drei Priester treffen uns jeden Sonntagmorgen zum Beten der Laudes, danach frühstücken wir zusammen. Die Anleitung mit Pfarrer Walter findet dreimal im Monat statt. Anfangs erschien mir dies zu viel, aber letztendlich habe ich festgestellt, dass es sehr hilfreich für mich ist.

Eine gute Unterstützung erhielt ich auch von meinem Sprach-Coach Frau Sibylle Rose aus Heilig Geist. Durch Herrn Markus Gähler lernte ich die Kultur kennen: In liturgischer Musik half mir mein Musik-Coach Herr Sebastian Neumann, unser Organist. Meine Sprachlehrerinnen Frau Helena Schall aus Tübingen und Frau Leonie Fiedel aus Stuttgart standen mir auch immer zur Seite und halfen mir dabei, meine Sprachkenntnisse stets zu verbessern. Nun bereite ich mich auf die C1 Sprachprüfung vor. 

Ich fühle mich sehr wohl in der Gemeinde Stuttgart-Ost und bedanke mich bei allen für diesen besonderen Weg für mich als indischer Priester. Ich bin schon gespannt, was nächstes Jahr auf mich zukommt. Ich vertraue Gott mit meinem ganzen Herzen.

Was ich in meiner 2-jährigen 
Erfahrung in Deutschland gelernt habe
In meiner Zeit hier in Deutschland und in der Gesamtkirchengemeinde Stuttgart-Ost habe ich vieles über die Kultur hier gelernt, habe verschiedene Orte besucht und habe den Fußball und deutsches Essen kennengelernt. Neu war es für mich, Spaziergänge und Urlaub zu machen, auch die Winterzeit mit Kälte und Autofahren bei Glatteis war neu für mich. Dies alles gibt es in Indien nicht.

Eine wichtige Erfahrung für mich war, dass es hier in Deutschland keine so großen Unterschiede zwischen den Menschen und den Berufen wie in Indien gibt. In Indien hat auch der Priester eine andere Rangstellung. Er ist der Chef in seiner Gemeinde und trifft alle Entscheidungen. In Deutschland entscheidet man miteinander. Und in Deutschland ist fast alles nur nach Termin möglich. Auf jeden Fall bin ich hier viel selbstständiger geworden und dafür bin ich dankbar.

Pfarrer Robert Benni Marcose

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