© Bild: Wunibald Wörle in: Pfarrbriefservice.de

Hoffnung auf das, was wir nicht sehen

Glaube – Liebe – Hoffnung, das sind die Tugenden, die uns Christen auszeichnen sollen. Auch wenn sie die göttlichen Tugenden genannt werden, so fallen sie doch nicht vom Himmel. Es liegt an uns, sie zu pflegen: Der Glaube will erarbeitet werden – wir sprechen ja auch von Vertrauens- und Beziehungsarbeit. Die Liebe ist zu tun, wobei das Werk der Nächstenliebe mitunter mühevoll ist. Und die Hoffnung? Zur Hoffnung gehört nach Paulus die Geduld (vgl. 1 Thess 1,3).

Über Glaube und Liebe wird viel gepredigt, darum dachte ich für diesen Impuls im Herbst wäre es einmal interessant, sich der Hoffnung zu widmen.

Jetzt zum Herbstbeginn kommt es wieder vor, dass sich zu Tagesbeginn der Nebel übers Land legt – seltener auch über die Stadt. Wer im dichten Nebel steckt, kann nicht weit blicken. So ist es auch manchmal im Leben: wir stecken gleichsam im dichten Nebel, ein dunkler Schleier legt sich über alles und wir sehen nicht, was sich außerhalb des Nebels befindet. Zu solchen „Nebel-Zeiten“, die sich bei manchen im „Herbstblues“ zeigen, ist es die Hoffnung, die auf das setzt, was wir im Moment nicht sehen können. Sonst wäre es keine Hoffnung, wie Paulus schreibt:

„Hoffnung, die man schon erfüllt sieht, ist keine Hoffnung.“ (Röm 8,24).

Die Hoffnung setzt auf das Unsichtbare. Wenn ich im Nebel stecke und nicht weiterweiß, habe ich manchmal einen Songtext von Udo Lindenberg im Ohr: „Hinterm Horizont geht’s weiter…“ Ich kann zwar nur ein kleines Stück überblicken, aber ich darf hoffen, dass da noch Land kommt.

Wir wissen ja, dass der Nebel örtlich begrenzt und vorübergehend ist. Wir können zum Beispiel auf die Waldebene Ost oder auf größere Anhöhen steigen in der Hoffnung, dass wir dort den Nebel unter uns lassen oder wir können geduldig abwarten, bis sich der Nebel auch im Tal, in dem wir uns befinden, legt.

Christliche Hoffnung ist aber mehr als nur Abwarten oder gar ängstlich hoffen, dass es schon gut wird. In der christlichen Hoffnung steckt die Zuversicht, dass Gott rettet. Die Hoffnung wird genährt durch den Glauben. Der Glaube gibt das Ziel beziehungsweise die Richtung vor, wohin wir hoffen dürfen. Und da hilft es, wenn wir uns an gute Glaubenserfahrungen erinnern können, um die Hoffnung zu stärken. Wenn ich mich daran erinnere, dass ich mich in einer Lebenssituation von Gott getragen fühlte, dann habe ich – trotz aller Widrigkeiten in schlechten Zeiten – einen guten Grund zu hoffen, dass er mir auch durch diesen Nebel hindurch mit seinem Licht entgegenkommt. Hoffnung ist nicht Resignation, sondern Zuversicht, dass Gott da ist – auch wenn wir ihn nicht sehen. Wer hofft, kann daraus Kraft entwickeln, sich aufzumachen und sich auszustrecken zu Gott hin.

 

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